Mader : Fakten - Fälle - Fotos®
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5.8.1 Primärer Wundverschluss

Zusatzinfo

Hinweis:

Beachten Sie bitte auch die umfangreichen Empfehlungen, Tipps und Hintergründe zum Thema "Hygienemanagement" in "Fakten - Fälle - Fotos" in Kap.15.9.2!

 

Checkliste Wundversorgung (Klein 2008)

Steriler Tisch

  • Skalpellgriff
  • Eine oder mehrere Skalpellklingen (z. B. Bayha)
  • Fadenschere
  • Nadelhalter
  • Chirurgische Pinzette
  • Anatomische Pinzette
  • Steriles Nahtmaterial für die Hautnaht, dem entsprechenden Eingriff angepasst (in der Regel monofil atraumatische [z. B. Prolene®] 5 x 0 für feine Gesichtsnähte, 0 bis 3 x 0 für Kopfschwarte oder Fußsohle)
  • Evtl. resorbierbares Nahtmaterial (z. B. Vicryl® oder Dexon®)
  • Steriles Abdecktuch
  • Sterile Kompressen und Tupfer in verschiedenen Größen
  • Spezialinstrumente nach Anforderung des Operateurs, z. B. Sonde, scharfer Löffel, Mosquitoklemmchen
  • Dazu evtl. Laschen oder Miniredondrainage

Unsteriler Tisch

  • Desinfektionsspray
  • Wundreinigungsmittel wie Wundbenzin oder Wasserstoffperoxid
  • Einmalrasierer
  • Trommel mit zusätzlichen Kompressen und Tupfern
  • Metallbehälter mit weiteren Spezialinstrumenten
  • Kappenzange mit Zylinder
  • Ggf. Mundschutz
  • Op.-Häubchen
  • Sterile Handschuhe in Papier verpackt
  • Lokalanästhetikum
  • Spritze und Kanülen für die Lokalanästhesie
  • (je nach Bedarf z. B. 5-ml-Spritze und Kanüle Gr. 20)
  • Mullbinde bzw. Klebevlies (Fixomull® Stretch) zum Fixieren des Verbandes
  • Ggf. Wundbehandlungsmittel (z. B. Mercurochrom®, Betadine®-Lösung, Salbe, Ialugen Plus® Creme, Gazen)
  • Ggf. Blutdruckmanschette oder Gummischlauch mit Klemme für Blutsperre

Kriterien für die Wundbeurteilung

  • Zeitpunkt der Verletzung? (Acht-Stunden-Grenze für die Primärversorgung!)
  • Devitales Gewebe?
  • Kontamination?
  • Sensibilität?
  • Motorik?
  • Durchblutung?
  • Sehnen-, Gelenk-, Bursabeteiligung?
  • Fremdkörpereinsprengung?

Termine zum Fädenziehen

Gesicht und Hals

2-4 Tage

Bauch

6-8 Tage

Rücken, behaarter Kopf

10-12 Tage

Gliedmaßen

12-14 Tage

Knie/Ellbogen

bis zu 3 Wochen


Sterilisation der chirurgischen Instrumente

Kleinsterilisatoren gibt es in drei Klassen (B, S, N). Beschränkt sich der Allgemeinarzt auf Wundversorgung z. B. mit Pinzetten, Scheren und Knopfsonden, so kann die Zyklusklasse S ausreichend sein. Weitere gute Informationen über das Schweizer Heilmittelinstitut Swiss medic:

www.swissmedic.ch/md/pdf/kleinsteri-d.pdf

Die Dampfsterilisation (Autoklavierung) ist die am meisten verbreitete Methode zur Sterilisation von thermostabilen wiederverwendbaren Instrumenten.


Hygiene Händedesinfektion

Waschen mit Wasser und Seife ist weitaus weniger effektiv als die hygienische Händedesinfektion: Die hauteigene residente Flora lässt sich auch durch Waschen über mehrere Minuten kaum reduzieren. Indikationen zum Händewaschen sind deutlich seltener als im Allgemeinen angenommen wird (z. B. vor Arbeitsbeginn, nach Arbeitsende, nach dem Besuch der Toilette). Hygienische Händedesinfektion sinnvoll vor direktem Patientenkontakt (z. B. Auskultieren, Palpieren) oder nach Berühren mit potentiell infektiösem Material (z. B. Verbänden), vor und nach Kontakt mit der Harndrainage, vor und nach Kontakt mit Wunden (Kampf et al. 2009).

Merke
Die Dauer der Anwendung mit einem zugelassenen Desinfektionsmittel sollte zwischen 22 und 28 sec liegen. Selbst bei intensiver und häufiger Händedesinfektion sind die handelsüblichen Präparate in der Regel besser verträglich als waschaktive Substanzen in Mitteln zum Händewaschen.


Hygieneplan

Grundsätzlich hat ein Hygieneplan zu berücksichtigen:

  • Händehygiene, Hautschutz,
  • Schutzkleidung, Schutzausrüstung,
  • Auflistung aller Desinfektionsmittel,
  • Flächenreinigung und Desinfektion,
  • Hautdesinfektion, Schleimhautantisepsis,
  • Aufbereitung von Medizinprodukten, Lagerung des Sterilguts,
  • Injektionen, Punktionen, Infusionen,
  • Abfallentsorgung und Wäscheaufbereitung.

Postoperatives Wundmanagement

Wundinfekte zeigen sich meist zwischen dem 3. und 5. postoperativen Tag.

Abduschen der Wunde mit Leitungswasser nach dem 2. postoperativen Tag (der Operationstag selbst wird dabei nicht mitgezählt) hat keinen nachteiligen Einfluss auf den Gesamtheilungsverlauf, steigert jedoch den Patientenkomfort (Blank 2010). Lediglich immungeschwächte Patienten sollten einen Wasser abweisenden Folienverband verwenden.


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