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6.10.1 Strategien in Diagnostik und Therapie

Zusatzinfo

Übersicht. Basisdiagnostik des Asthma bronchiale (Ukena et al. 2008)

Anamnese

  • Anfallsartige Symptome, oftmals nachts oder in den frühen Morgenstunden, und zwar vor allem Atemnot sowie Husten (mit/ohne Auswurf), insbesondere
    – bei Allergenexposition
    – während oder eher nach körperlicher Belastung bzw. Sport (sog. anstrengungsinduziertes Asthma)
    – bei Infektionen der oberen Atemwege
    – bei thermischen Reizen (z. B. kalte Luft)
    – bei Rauch- oder Staubexposition
  • jahreszeitliche Variabilität der Symptome (saisonaler Pollenflug)
  • positive Familienanamnese (Allergie, Asthma)
  • berufs-, tätigkeits- sowie umgebungsbezogene Auslöser asthmatischer Beschwerden

Symptome

Intermittierend und variabel (können auch fehlen, z. B. im beschwerdefreien Intervall oder bei geringem Erkrankungsgrad)

  • Atemnot (häufig anfallsartig)
  • exspiratorische Geräusche
  • thorakales Engegefühl
  • Husten

Befunde der körperlichen Untersuchung

  • Giemen, Pfeifen, Brummen
  • verlängertes Exspirium
  • Tachypnoe
  • Orthopnoe
  • thorakale Einziehung

Nichtinvasive Marker der Atemwegsentzündung, z. B. die Konzentration von Stickoxid (NO) im Exhalat oder die Sputum-Eosinophilie sind in der Diagnostik von Asthma bronchiale nicht prospektiv validiert, aber bei der Therapieverlaufskontrolle hilfreich. Die ganzkörperplethysmographische Lungenfunktionsanalyse liefert zusätzlich Informationen z. B. zum Nachweis einer Obstruktion. Die Indikation zur arteriellen Blutgasanalyse, zur Bestimmung der Diffusionskapazität und zur Röntgenuntersuchung der Thoraxorgane wird individuell gestellt, insbesondere bei differentialdiagnostischen Überlegungen.


Übersicht. Kriterien für Asthma bronchiale (Nationale Versorgungsleitlinie 2005; Buhl et al. 2006)

  • Nachweis einer Obstruktion (FEV1/VK < 70 %) und FEV1-Zunahme > 15 % (mind. 200 ml), bezogen auf den Ausgangswert, ggf. Abnahme des spezifischen Atemwegswiderstandes um mind. 1 kPa x sec, frühestens 15 min nach Inhalation von 4 Hüben eines kurzwirksamen β2-Sympathomimetikums, zum Beispiel 400 µg Salbutamol
  • oder FEV1-Verschlechterung > 15 % während oder bis zu 30 min nach körperlicher Belastung (Anstrengungsasthma), ggf. Zunahme des spezifischen Atemwegswiderstandes um mind. 150 %
  • oder FEV1-Verbesserung > 15 % (mindestens 200 ml, falls 15 % des Ausgangswertes < 200 ml sind) ggf. Abnahme des spezifischen Atemwegswiderstandes um mind. 1 kPa x sec nach täglicher hochdosierter Gabe eines inhalativen Kortikosteroids über max. 4 Wochen
  • oder bei asthmatypischer Anamnese, aber normaler Lungenfunktion: Nachweis einer unspezifischen bronchialen Hyperreagibilität mittels eines standardisierten, mehrstufigen inhalativen Provokationstests bzw. zirkadiane PEF-Variabilität > 20 % bei Messungen über einen Zeitraum von 3 bis 14 Tagen

Übersicht. Optionen für nicht medikamentöse Therapie des Asthma bronchiale im Erwachsenenalter unter Berücksichtigung der Evidenz (Ukena et al. 2008)

  • Allergenkarenz (insbesondere feder- und felltragende Haustiere) (Evidenz A)
  • Strukturierte Patientenschulung (Verbesserung der Selbstmanagementfähigkeit mit besserer Symptomkontrolle, Verringerung der Zahl der Asthmaanfälle und Notfallsituationen, Verbesserung der Lebensqualität sowie verschiedener weiterer Verlaufsparameter wie Krankenhaus-, Arbeitsunfähigkeits- und Schulfehltage) (Evidenz A)
  • Tabakentwöhnung (ggf. Einsatz nicht medikamentöser und medikamentöser Hilfen zur Raucherentwöhnung ) (Evidenz B)
  • Reduktion des Körpergewichts bei Übergewichtigen (Evidenz B)
  • Körperliches Training (Verringerung der Asthma-Symptomatik, zur Besserung der Belastbarkeit und zur Verbesserung der Lebensqualität / Verringerung der Morbidität) (Evidenz C)
  • Atem- und Physiotherapie (zum Beispiel Atemtechnik, Lippenbremse) (Evidenz C)
  • Psychosoziale Behandlungskonzepte (familientherapeutisches Konzept) (Evidenz C)
     

Innenraumallergene

Milben
Tierhaare und Pilze als die wichtigsten Innenraumallergenquellen und Asthmaauslöser beschreibt die Wiener Allergologin Dr. med. Petra Zieglmayer in der Zeitschrift Der Allgemeinarzt.
http://www.allgemeinarzt-online.de/a/neues-zu-innenraumallergenen-1808818


Tabelle. Asthmakontrolle nach GINA (Global Initiative for Asthma) 2009

Asthmakontrolle nach GINA

Charakteristika

kontrolliert

teilweise kontrolliert

unkontrolliert

Symptome tagsüber

keine

(max. 2 x/Wo.)

mehr als 2 x/Wo.

3 oder mehr der  unter „teilweise kontrolliert“ aufgeführten Angaben im Verlauf einer Woche

eingeschränkte Belastbarkeit

keine

gelegentlich

nächtliche Symptome/

Erwachen

keine

gelegentlich

Bedarf an ß2-Agonisten/

Notfallmedikamenten

keine

(max. 2 x/Wo.)

mehr als 2 x/Wo.

Lungenfunktion (FEV1/PEF)

normal

< 80 % Sollwert bzw. persönl. Bestwert

Exazerbationen

keine

1 oder mehr/Jahr

 

Merke
Die GINA-Therapierichtlinien haben das Ziel, eine bestmögliche Asthmakontrolle durch Reduktion der Entzündung zu erreichen.


Biologika

Für Patienten mit schwerem Asthma werden immer mehr Biologika entwickelt, erklärt Prof. Ian Pavord, Oxford, in einem Kongressbericht der Zeitschrift Der Allgemeinarzt.
http://www.allgemeinarzt-online.de/a/1782448


Übersicht. Mögliche Trigger für Asthma bronchiale

  • Anstrengung
  • virale respiratorische Infektion
  • Pelztiere und Vögel
  • Hausstaubmilben
  • Schimmel
  • Rauch (Zigaretten, Holzfeuer)
  • Pollen
  • Wetterumschlag
  • starke Emotionen (Lachen oder Schreien)
  • Chemikalien und Staub in der Luft
  • Menstruation

Merke
Inhalative Steroide haben in vielen Untersuchungen auch die objektiven Messwerte für Lungenfunktion und Lebensqualität verbessert und die Häufigkeit von Exazerbationen reduziert. Diese positiven Veränderungen sind jedoch nicht anhaltend, wenn die Medikamente abgesetzt werden. Zudem reagieren nicht alle Asthmapatienten auf inhalierte Steroide positiv (Bukstein 2005).


Bewährte Strategien und neue Behandlungsoptionen

In einem CME- Beitrag in der Zeitschrift Der Allgemeinarzt 2016 fasst Prof. Dr. med. Almuth Pforte zusammen, wie der Hausarzt mit dem Beratungsproblem Asthma diagnostisch sinnvoll vorgeht und welche aktuellen therapeutischen Optionen es inzwischen gibt.
http://www.allgemeinarzt-online.de/a/1798968
 


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