Mader : Fakten - Fälle - Fotos®
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1.1 Regelmäßigkeit der Fälleverteilung

Zusatzinfo

Eine solche Verallgemeinerung ist statthaft: Das Fällematerial des Allgemeinarztes betrifft zwar lediglich einen Ausschnitt aus der gesamten Morbidität. Wenn jedoch die unausgelesenen Ausschnitte, welche die Allgemeinärzte sehen, in ihrer Zusammensetzung aber immer wieder dieselben Regelmäßigkeiten aufweisen, dann muss das auch für das Gesamtmaterial (die Stammmasse), d. h. für die gesamte Morbidität, gelten. Freilich ist das Krankengut, das dem Allgemeinarzt begegnet, wiederum selbst selektiert.


Robert N. Braun (1914 - 2007)
Pionier der allgemeinmedizinischen Praxisforschung

Anlässlich des 10.Todestags von Univ.-Prof. Dr. med. Robert N. Braun würdigte Dr. med. Waltraud Fink in der Zeitschrift Der Allgemeinarzt (2017) die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen des österreichischen "Pioniers der Praxisforschung". Zahlreiche Wegbegleiter von Braun berichten, welchen Einfluss das Denken von Braun auf ihre Praxisausübung hatte.
https://www.allgemeinarzt-online.de/a/todestag-des-pioniers-der-praxisforschung-robert-n-braun-und-sein-vermaechtnis-1840524


Wissenswertes

Der deutsche Statistiker v. Lexis hatte bereits 1914 daran gedacht, dass das Krankwerden der Menschen eine biologische Massenerscheinung sein könnte. Er verfügte jedoch über keine Fakten, um seine Meinung zu stützen (Braun 1957).


Überprüfung der Fällestatistiken

Wenn Fällestatistiken aus allgemeinärztlichen Praxen in Österreich, Deutschland, Schweiz, England, Frankreichund in den USAzu oftmals erheblich unterschiedlichen Rängen in der Häufigkeit einzelner Beratungsergebnisse kommen, so ist dies auf den Umstand zurückzuführen, dass die Untersucher keine einheitliche Nomenklatur in ihren Studien zugrunde gelegt hatten (Dreibholz et al. 1972; Dreibholz et al. 1974; Landolt-Theus 1988).

Wird jedoch die Fachsprache (Kasugraphie)in der jeweiligen Untersuchung beibehalten, so lässt sich die Regelmäßigkeit der Fälleverteilung in der Allgemeinmedizin durchaus nachweisen.Dies belegt beispielsweise H.Danninger, der 1991–1996 in einer niederösterreichischen Kassenpraxis eine Fälleverteilungsstatistik erhoben und diese mit seinem Zahlenmaterial in den Jahren 1996–2000 aus einer Tiroler Privatpraxis mit Schwerpunkt auf alternativen Methoden verglichen hatte: Beide Erhebungen zeigten hinsichtlich der Fälleverteilung ein überraschend ähnliches Profil. Noch niemals vorher war ein solches Material publiziert worden (Danninger et al. 2003).

Der Allgemeinarzt Prof. Dr. med Robert N. Braun und der Wiener Kliniker Prof. Dr. med. Paul Haber beschreiben in der Zeitschrift Der Allgemeinarzt 1998 die EntdeckungFortschreibung und Konsequenzen des Fälleverteilungsgesetzes, das praktische Vorgehen bei Fällestatistiken und stellen die Ergebnisse ihrer korrelationsanalytischen Signifikanzberechnung vor. Dabei erwiesen sich sämtliche vergleichbaren Fälleverteilungen aus den Jahren 1955 bis 1996 als hoch signifikant ähnlich.
PDF: Fälleverteilung (1954 - 1996) Braun und Haber


"Es werden von uns Allgemeinärzten Entscheidungen und Handlungen verlangt,wofür wir noch keine sichere theoretische Grundlage hatten". (Robert N.Braun)


Diagnose 

Dem berufstheoretischen Forscher Univ.-Prof.Dr.med. Robert N. Braun ist die Schärfung des Diagnosebegriffs zu verdanken: "Die Allgemeinärzte sollten sich dazu erziehen, das Wort Diagnose ausschließlich für die sicheren Krankheitserkennungen (10%) vorzubehalten". 


Diagnostik

Benennung der diagnostischen Bemühungen angesichts einer Beratungsursache werden als Diagnostik bezeichnet. Braun merkt kritisch an: "Im medizinischen Jargon werden - und das schon ziemlich lange - Diagnostik und Diagnose verwirrenderweise in gleicher Bedeutung angewandt. Diese Unschärfe darf eine eigenständige, wissenschaftlich untermauerte Allgemeinmedizin nicht mitmachen. Der Weg und ein Ziel können nicht mit demselben Wort benannt sein."


Differenzialdiagnostik

Unter Differenzialdiagnostik in der Allgemeinmedizin wird die kritische Abwägung im diagnostischen Prozess verstanden (F.H. Mader 2018). 
"Wörter wie Differenzialdiagnose sollten in einem Beruf, der wie die Heilkunde in wissenschaftlichen Ergebnissen wurzeln will, nicht verwendet werden. 'Differenzial' meint nun einmal einen Weg. Folglich muss es Differenzialdiagnostik heißen" (Braun 1986).


Wissenswertes

Der deutsche Statistiker v. Lexis hatte bereits 1914 daran gedacht, dass das Krankwerden der Menschen eine biologische Massenerscheinung sein könnte. Er verfügte jedoch über keine Fakten, um seine Meinung zu stützen (Braun 1957).


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