Mader : Fakten - Fälle - Fotos®
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12.1.3 Nervosität, Globusgefühl, Tic-Störungen und ADHS

Zusatzinfo

Tic-Störungen

Wissenswertes

Die vorübergehende Tic-Störung (F95.0) ist selbstlimitierend und hält nicht länger als 1 Jahr an.

Die Behandlung der Tic-Störung erfolgt bei wenig belastender Symptomatik ggf. durch aufklärende Gespräche, bei ausgeprägter Symptomatik werden Familien- und Verhaltenstherapie, z. B. Stressmanagement und motorische Gegenregulation, empfohlen. Medikamentös im Einzelfall z. B. Dopamin-2-Rezeptorblocker (Tiaprid) (Schauerte u. Rank 2006). Die medikamentöse Behandlung kommt in der Regel nur bei chronischen Tics (Dauer > 1 J) in Betracht. Derzeit gibt es keine eindeutige Überlegenheit einer Substanz. Der therapeutische Nutzen und das Risiko einer medikamentös induzierten iatrogenen Bewegungsstörung müssen individuell und kritisch abgewogen werden (Topka 2007).


Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)

Wissenswertes

Trotz sehr unterschiedlicher Namensgebung der Störung war die Beschreibung der Symptomatik über die letzten 150 Jahre bemerkenswert konstant und variierte lediglich hinsichtlich dessen, welches Symptom besonders hervorgehoben wird. Der Kinder- und Jugendsurvey des RKI gibt für Deutschland eine Prävalenzrate von 3,9 % an. Trotz intensiver Forschungsanstrengungen ist es bis heute nicht gelungen, das ursprünglich allein aus der Medikamentenwirkung abgeleitete Dopamindefizit im Gehirn der betreffenden Patienten tatsächlich nachzuweisen. Weltweit werden heute etwa 10 Mio Kinder und Jugendliche mit Psychostimulanzien behandelt. Mit Hilfe funktioneller bildgebender Verfahren am Beispiel verschiedenster psychiatrischer Störungen wurde nachgewiesen, dass jedoch auch psychotherapeutische Interventionen ebenso wie medikamentöse Behandlungen sogar noch im adulten Gehirn zur nutzungsabhängigen Umstrukturierung neuronaler Netzwerke und synaptischer Verschaltungen führen können.

(Quellen: Hüther 2005; Günter 2007; Skrodzki 2009)


Tabelle. Leitsymptome der ADHS (jeweils extrem ausgeprägt im Verhältnis zu gleichaltrigen Kindern)

Unaufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsstörung, Ablenkbarkeit)

  • Mangel an Ausdauer und Konzentration, Abbruch bei Beschäftigungen,
  • häufiger Wechsel von einer Tätigkeit zur anderen, Ablenkbarkeit (durch externe Stimuli),
  • Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit zu teilen,
  • mangelnde Aufmerksamkeit für Details,
  • hört oft nicht zu,
  • verliert oft Dinge,
  • ist vergesslich

Überaktivität (Hyperaktivität, motorische Unruhe)

  • Zappelphilipp,
  • desorganisierte, überschießende Aktivität,
  • kann nicht still sitzen, steht oft auf,
  • exzessives Rennen oder Herumklettern,
  • ausgeprägte Redseligkeit, Lärmen, Schwierigkeiten still zu sein

Impulsivität

  • Mangel an normaler Vorsicht und Zurückhaltung,
  • Unfallneigung,
  • Regelverletzungen aus Impulsivität,
  • Distanzlosigkeit gegenüber Erwachsenen,
  • platzt mit der Antwort heraus, bevor die Frage beendet ist,
  • geht nicht auf andere ein,
  • kann nicht warten, bis er/sie an der Reihe ist (im Spiel, in Gruppen)

Abb. Heft und Zeugnis eines Zehnjährigen mit einer ADHS


Heft und Zeugnis eines Zehnjährigen mit einer ADHS
Heft und Zeugnis eines Zehnjährigen mit einer ADHS

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